Mattias Gebhardt (Medizinisch geprüft von   Dr. Maryam Shabir) Letzte Änderung: Dezember 15th, 2019

Welches Potenzmittel ist das beste für Frauen?

Hilfe bei Impotenz

Manchmal hat man Lust auf Sex, manchmal nicht – das ist normal. So hat jede Frau ihren eigenen Maßstab dessen, was als “normal” gilt, basierend auf ihren eigenen Erfahrungen und ihrem biologischen Antrieb.

Aber wenn eine Frau kaum oder gar kein sexuelles Verlangen verspürt, sollten Alarmglocken läuten: denn das kann bedeuten, dass sie unter einer sogenannten sexuellen Appetenzstörung leidet.

Es gibt viele mögliche Gründe für mangelnde Libido:

  1. die Qualität einer Beziehung – und die Qualität einer sexuellen Beziehung – sind natürlich Schlüsselfaktoren.
  2. Erschöpfung, Stress und sexuelle Traumata können eine wichtige Rolle spielen.
  3. Eine Frau, die eine Vergewaltigung durchmachen musste, kann eine tiefsitzende Angst mit Sex verbinden – selbst wenn dieser mit einem liebevollen Partner stattfindet.
  4. Frauen, die unter sexueller Appetenzstörung leiden, haben keine sexuellen Fantasien und zeigen kein Interesse a Sex – es stellt sich eine Art Neutralität diesem Thema gegenüber ein.
  5. Wenn der Partner Sex initiiert und die betroffene Frau verführt, kann Sexualität jedoch trotzdem als lustvoll empfunden werden. Doch auch wenn so „normaler“ Sex möglich wird, kann die sexuelle Appentenzstörung eines Partners zu einer großen Belastung für die Beziehung werden.

Abhilfe könnten hier in Zukunft Potenzmittel für Frauen schaffen. Medikamente für Potenzprobleme beim Mann sind seit Jahrzehnten auf dem Markt erhältlich und erfreuen sich nach wie vor größter Beliebtheit.

Da Frauen anatomisch anders aufgebaut sind als Männer und keine Erektion für Geschlechtsverkehr benötigen, können sie definitionsgemäß auch nicht unter Impotenz leiden.

Der Ausdruck „Potenzmittel für die Frau“ ist daher eigentlich nicht sinngemäß. Viel passender wäre der Begriff „luststeigernde Mittel und Maßnahmen“.

Eine erektile Dysfunktion beim Mann ist auch ein anderes körperliches Symptom als Lustlosigkeit bei der Frau. Beim weiblichen Geschlecht soll die mangelnde Libido ausgeglichen und eine Luststeigerung beim Geschlechtsverkehr erreicht werden.

Luststeigernde Mittel für Frauen können an Punkten wie der Feuchtigkeit im Vaginalbereich, der Scheidendurchblutung sowie der psychischen Komponente beim Sex ansetzen.


PDE-5-Hemmer

PDE-5-Hemmer wie Viagra sind allseits bekannt und funktionieren beim Mann so:

Bei sexueller Stimulation erhöhen PDE5-Hemmer die Durchblutung des Penis und haben eine Erektion zur Folge. Die Erektion tritt auf, wenn die Blutgefäße, die das Blut an den Penis liefern, die Blutversorgung erhöhen und die Blutgefäße, die das Blut vom Penis wegführen, die Blutabnahme verringern. Unter normalen Bedingungen führt die sexuelle Stimulation zur Produktion und Freisetzung von Stickoxid im Penis.

Stickoxid aktiviert dann das Enzym Guanylatcyclase, das die Produktion von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP) bewirkt. Es ist das cGMP, das in erster Linie für die Erektion verantwortlich ist, indem es die Blutmenge beeinflusst, die die Blutgefäße liefern und aus dem Penis wegleiten. PDE5-Hemmer hemmen ein Enzym namens Phosphodiesterase-5 (PDE5), welches das cGMP zerstört. So verhindern PDE5-Hemmer die Zerstörung von cGMP und ermöglichen es cGMP, sich im Schwellkörper anzusammeln und länger zu bestehen. Je länger cGMP fortbesteht, desto länger dauert die Erektion.

Da Frauen keine Erektion für Sex brauchen, ist bei ihnen auch die Einnahme von PDE-5-Hemmern weniger wirkungsvoll als bei Männern. PDE-5-Hemmer erhöhen bei der Frau lediglich die Durchblutung. „Der Mangel an Wirksamkeit der PDE5-Behandlung bei Frauen ist wahrscheinlich auf Geschlechtsunterschiede in der Übereinstimmung zwischen physiologischen und psychologischen Komponenten der sexuellen Reaktion zurückzuführen“ (Chivers, Rosen 2009 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19929916).
Es gibt momentan noch keine wissenschaftlichen Studien, die die Wirkung von PDE-5-Hemmern bei Frauen nachweisen. Schluckt eine Frau z.B. Viagra, kann dies also für ihre Libido vollkommen wirkungslos bleiben. Allerdings muss sie trotzdem mit den üblichen Nebenwirkungen wie z.B. Kopfschmerzen, Schwindel und Hautrötungen rechnen. Aus jetziger Sicht sind PDE-5-Hemmer deshalb nicht das ideale Medikament zur Behandlung von Libidoproblemen von Frauen.

Vyleesi™ – Viagra für die Frau?

Vyleesi™ mit dem Wirkstoff Bremelanotid ist ein neuartiger Melanocortin-4-Rezeptor-Agonist. Es aktiviert Regionen im Gehirn, die an den normalen sexuellen Reaktionen des Körpers beteiligt sind, erhöht Dopamin und hemmt die Freisetzung von Serotonin.

Dies kann Angst verringern und das sexuelle Verlangen verbessern. Vyleesi wurde in zwei Phase-3-Studien mit jeweils mehr als 600 PatientInnen untersucht, um die Steigerung des sexuellen Verlangens und die Verringerung von Leiden zu testen und erreichte gute Werte.

Im Gegensatz zu Viagra und co. wird Vyleesi nicht in Form von Tabletten, sondern durch subkutane Injektion unter die Haut mit einem Einweg-Autoinjektorstift eingenommen. Die kleine Injektion in den Oberschenkel kann sich die Patientin 45 Minuten vor der sexuellen Aktivität selbst verabreichen.

Vyleesi die weibliche Version von Viagra (Sildenafil) zu nennen, ist auf vielen Ebenen ungenau. Aber vor allem behandelt Viagra die erektile Dysfunktion, einen spezifischen physischen Mechanismus, während Vyleesi darauf abzielt, das sexuelle Verlangen zu verbessern, das eine komplexe Reihe von sozialen, emotionalen und physischen Faktoren darstellt. Da es sich bei Vyleesi™ um ein sehr neues Medikament handelt, ist es im deutschen Sprachraum leider noch nicht erhältlich. Es wurde im Juni 2019 auf den amerikanischen Markt zugelassen. Wann und ob es bei uns erscheint, steht noch nicht fest.

Addyi – die pinke Pille

Addyi ist der Handelsname für Flibanserin, ein nicht-hormonelles verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung der sexuellen Appetenzstörung. Addyi ist das erste Medikament, das speziell zur Behandlung von Libidoverlust bei Männern und Frauen zugelassen wurde.

Die genaue Wirkungsweise von Addyi ist nicht bekannt. Es ist ein psychotropes Medikament, wirkt spezifisch auf serotonerge Neuronen im Gehirn und hat außerdem indirekte Auswirkungen auf Dopamin und Noradrenalin. Flibanserin enthält kein Östrogen, Testosteron oder ein anderes Hormon. Addyi ist in kleinen rosa Pillen erhältlich, die 1x täglich eingenommen werden sollen. Seit seiner Markteinführung in Amerika im Jahr 2015 hat das Medikament allerdings viel negative Aufmerksamkeit auf sich gezogen. „Das ist ein riskantes Präparat, über das Frauen und ihre Ärzte nicht genügend Informationen bekommen“, beschreibt Cindy Pearson, die Leiterin des National Women’s Health Network.

Ob und wann ein Verkauf des umstrittenen Produkts auch in Deutschland angestrebt wird, ist nach Herstellerangaben noch unklar.

Psychotherapie – die etwas andere Behandlung

Wenn es um Lustempfinden geht, spielt auch die Psyche eine entscheidende Rolle. Sehr viele Frauen berichten davon, nicht zum Orgasmus zu kommen, was meist nicht durch körperliche Ursachen zu erklären ist. Zahlreiche Frauen berichten auch über eine Art psychische Barriere im Zusammenhang mit ihrer Libido.

Psychotherapie

Die Gründe für ein solches Hindernis unterscheiden sich von Patientin zu Patientin. Eine tiefsitzende Angst vor sexuellen Kontakten, kann z.B. nicht mit einer Wunderpille behandelt werden. In solchen Fällen macht es Sinn, wenn Betroffene sich an einen professionellen Psychotherapeuten wenden, um gemeinsam eine individuell angepasste Behandlung zu starten.


Welches Potenzmittel ist das beste für Frauen?

Klar festzustellen ist vor allem eines: das Angebot von Medikamenten zur Behandlung der sexuellen Appetenzstörung bei der Frau ist bescheiden. Von den erhältlichen Mitteln hat Vyleesi™ das wohl größte Potential. Da es allerdings so neu ist, kann man es in Europa noch nicht erwerben. Frauen in Deutschland, die unter sexueller Appetenzstörung leiden, sind daher am besten damit beraten, sich zuerst mit der psychischen Komponente des Problems auseinanderzusetzen und einen Psychotherapeuten um Rat zu bitten.

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