Erektile Dysfunktion kann das Risiko für Herzerkrankungen verdoppeln

Wenn Sie Symptome einer Erektionsstörung aufweisen, könnte es ratsam sein, Ihre Herzfunktionen untersuchen zu lassen. So lautet das Hauptergebnis einer neuen Studie, die darauf hindeutet, dass eine erektile Dysfunktion ein frühes Anzeichen einer Herzkrankheit darstellen kann.

erektile Dysfunktion und Herz Zwar sind Herzkrankheiten die häufigste Todesursache sowohl für Männer als auch für Frauen, aber die jeweiligen Risikofaktoren und Symptome sind bei den beiden Geschlechtern unterschiedlich.

Risikofaktoren wie emotionaler Stress, hormonelle Veränderungen oder Depressionen sind bei Frauen in der Regel stärker ausgeprägt als bei Männern, hinzukommen die Nebenwirkungen der Antibabypille.

Bei Männern sind die häufigsten Risikofaktoren für Herzerkrankungen die gleichen wie für Erektionsstörungen: Bluthochdruck, Fettleibigkeit, metabolisches Syndrom und Rauchen. Hiervon sind bis zu 25 % aller Männer unter 40 Jahren betroffen.

Trotz dieser Übereinstimmungen wurde die erektile Dysfunktion noch nie als unabhängiger Risikofaktor für Herzerkrankungen bei Männern untersucht.

Aber jetzt machten sich Forscher unter der Leitung von Dr. Michael Blaha, außerordentlicher Professor für Medizin an der Johns Hopkins School of Medicine im US-amerikanischen Baltimore, daran, diese Forschungslücke zu schließen. Hierzu untersuchten sie den Zusammenhang zwischen erektiler Dysfunktion und Herzgesundheit bei mehr als 1.900 Männern über einen Zeitraum von vier Jahren.

Ihre Forschungsergebnisse wurden in der Zeitschrift Circulation veröffentlicht.


Erektile Dysfunktion ist ein Indikator für Herzerkrankungen

Die Forscher untersuchten Daten aus der „Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis“, einer „ethnisch diversifizierten, lokal begrenzten, multizentrischen und prospektiven Kohortenstudie“, die 1.914 Studienteilnehmer im Alter von 60-78 Jahren einbezog.

Es stellte sich heraus, dass Männer mit erektiler Dysfunktion das doppelte Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme wie Herzinfarkt, Herzstillstand, plötzlichen Herztod oder Schlaganfall aufweisen.

Dieses erhöhte Risiko ist dabei unabhängig von anderen Risikofaktoren wie hohem Cholesterinspiegel, Rauchen und Bluthochdruck.

Die Wissenschaftler betrachten ihre Studie als den bisher zuverlässigsten Nachweis dafür, dass eine erektile Dysfunktion ein eigenständiger Risikofaktor für Herzerkrankungen sei.

Konkret wurden über den vierjährigen Studienzeitraum 115 Herzinfarkte, Schlaganfälle, plötzliche Herzinfarkte und plötzliche Herztodesfälle festgehalten.

Bevor andere Risikofaktoren in Betracht gezogen wurden, erwies eine Analyse, dass solche Herzprobleme bei mehr als 6 % derjenigen Männer mit Erektionsstörungen auftraten, während nur 2,6 % der Männer ohne sexuelle Störungen betroffen waren.

Auch nach Berücksichtigung zusätzlicher Risikofaktoren blieb das Erkrankungsrisiko für Männer mit Erektionsstörungen noch fast doppelt so hoch.

Dr. Michael Blaha Dr. Blaha zieht angesichts dieser Befunde folgendes Fazit: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Erektionsstörungen an sich schon ein belastbarer Prädiktor für ein kardiovaskuläres Risiko sind.“

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Ärzte ein zusätzliches gezieltes Screening bei Männern mit Erektionsstörungen unabhängig von anderen kardialen Risikofaktoren durchführen sollten. Außerdem ist in Betracht zu ziehen, alle anderen Risikofaktoren – wie Bluthochdruck oder Cholesterin – dementsprechend konsequenter zu behandeln.“
– Dr. Michael Blaha

Er fügt hinzu, dass die meisten Männer bei frühen Symptomen einer Herzerkrankung davon absähen, ihren Arzt aufzusuchen, aber bei Erektionsstörungen sofort Hilfe suchten.

„Dies ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, um unentdeckte Hochrisikofälle zu identifizieren“, meint Dr. Blaha.

„Der Beginn [einer erektilen Dysfunktion]“, fügt er hinzu, „könnte Männer dazu veranlassen, eine umfassende kardiovaskuläre Risikobewertung bei einem präventiven Kardiologen einzuholen.“